New Order – Berlin, Tempodrom, 21.06.2012

Wenn man sich aufmacht eine Band live zu sehen, muss man sich auch gut überlegen, ob der Aufwand gerechtfertigt ist, quer durch die Republik zu reisen. Und das dann auch noch während der Woche. Man kann ja nicht immer verlangen, dass Künstler ihren Tourplan so legen, dass es allen recht ist.

Am Donnerstag waren es also New Order, die zum einzigen Outstanding-Konzert in Deutschland ins Berliner Tempodrom geladen haben. Sonst spielen die Herren um Bernard Summer nur auf dem Southside- und dem Hurricane-Festival. Da machen wir uns dann doch ganze gerne auf die kurze Reise ins ferne Berlin.
Aber warum eigentlich? Keiner von uns kann sich wirklich Fan nennen, geschweige, dass man alle Songs einer Best Of-Compilation beim Namen nennen könnte. Aber wir kennen New Order. Nicht nur durch Klassiker wie Blue Monday oder True Faith oder ihre Vorgeschichte mit Joy Division. Also sind wir dann auch mal die, die wir sonst immer in Konzerten belächeln, weil sie keine Die Hard-Fans sind.

Das Architektonisch beeindruckende Tempodrom scheint mir die richtige Location für eine Konzert von New Order zu sein. Schon beim Einlass bin ich schwer beeindruckt von dem großen Rund und die Atmosphäre in der Halle. New Order verzichten auf große Supportacts. Stattdessen eröffnete A Guy Called Gerald Tin Tin den Abend mit Electronic Beats der Gegenwart und frühester Pioniertage. Mixe von Moby, Kraftwerk, Pet Shop Boys und vielen anderen wurden mit Breakbeats gemixt und verscratched. Alleine schon das DJ-Set hätte für mich noch Stunden gehen können. Doch irgendwie kam der Mix beim Berliner Publikum nicht an. Ich hatte mit mehr Partystimmung gerechnet. Die Stimmung war aber eher unterkühlt. Erst gegen Ende des Sets tauten so einige im Publikum merklich auf.

Gegen 20.30Uhr betraten New Order dann endlich die Bühne und begannen ihre Zeitreise durch mehr als 30 Jahren New Order und Joy Division. Das eher ruhige Intro Elegia war für mich überraschend. Hatte ich doch mit ein wenig mehr Dampf zu Beginn gerechnet. Das änderte sich dann aber auch mit Crystal und die Party ging los. Bernard Summer war sehr gut drauf und kommunizierte mit dem Publikum so, als wenn es nie eine Livepause in Deutschland gegeben hat. Bernard Summer forderte immer wieder das Publikum zum mitmachen auf und bescherte mir meinen ganz persönlichen Tinitus, wenn er ins Mikro pfiff.

Tracks wie 586 oder Thieves Like Us und das gefeierte Temptation gehörten für mich zu den besonderen Highlights. Natürlich gedachten New Order auch ihrem früheren Joy Division-Frontman Ian Curtis mit drei Tracks: Isolation, Transmission und natürlich Love Will Tear Us Apart.

New Order war mehr als eine nostalgische Zeitreise. Es war eine Party durch verschiedene Zeitzonen und zurück. Das waren nicht die Achtziger oder die Neunziger. Das war ein Abend, der den jüngeren gezeigt hat, dass New Order schon weit vor Waiting For The Sirens Call gelebt haben und den älteren, dass nach Blue Monday lange noch nicht Schluss war. Ein wiederholungsbedürftiger Abend, der viel zu schnell vergangen ist.

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