Neuwerk-Festival, Hamburg 29.12.2011

Frühes kommen sichert die besten Plätze, so heißt es doch immer. Doch wer hat unter Woche schon Zeit, bereits ab 17.30Uhr sich auf einen langen Konzertabend einzustellen? Ich in diesem Falle nicht. Okay, zwischen den Jahren haben sehr viele Konzertgänger mit Sicherheit Urlaub eingereicht. Dann kann so ein Abend schon recht früh starten.

Das erste Mal fand im Rahmen des Neuwerk-Festivals ein sehenswertes Eintages-Festival „Zwischen den Jahren“ in der Hamburger Markthalle statt. Und da Line-Up sollte sich sehen lassen: X-Divide, Reaper, Diorama, Haujobb, Suicide Commando und Nitzer Ebb an einem Abend auf der Bühne. Das klingt nach viel Spaß. Und weitestgehend sollte es dann auch so sein. Aus zeitlichen Gründen mussten X-Divide (die ich letztmals bereits im September auf der Masses sah) und Reaper ihren Auftritt ohne mein kritisches Ohr und Auge absolvieren.

Pünktlich um kurz vor 20.00Uhr betraten Diorama die Bühne und überzeugten mich auf der Stelle. Frontman Torben Wendt überzeugt mich durch seine ausdrucksstarke Stimme und seine fast schon theatralische Show. Soundtechnisch konnte ich nichts finden, worüber ich meckern könnte. Endlich mal eine Gelegenheit, die Band live zu sehen und auf baldige Wiederholung zu hoffen. Wenn es dann wieder so ein gute auftritt wird, ist alles gut.

The next is the best! Als Daniel Myer mit Haujobb die Bühne betritt, macht mein Herz einen Sprung. Andächtiges lauschen und tanzen. Mal wieder beweist Myer einmal mehr, dass er sich nicht auf seine Rolle bei Covenant beschränken lässt. Dass die Markthalle, so zumindest mein Eindruck, bei Haujobb am meisten gefüllt war, spricht für mich Bände. Es ist keine Party, es ist ein Genuss, bei dem ich mich fragte, was denn noch kommen könnte, um das zu übertreffen.

Doch Hochmut kommt vor dem Fall. Nachdem meine Lauschlappen von Haujobb angenehm gestreichelt wurden, sollte ich nun auf den harten Boden der Realität geknallt werden. Da Suicide Commando generell nicht zu meinen Favoriten gehören, war ich auch nicht besonders erpicht, mir diese Band anzuschauen. Aber bezahlt ist bezahlt und wird dann auch aufgegessen. Also dann mal los. Vom Sound her, war es sehr erträglich, was ich da ertragen muss. Die PA war sehr gut ausgesteuert und trotz der Lautstärke war alles klar verständlich und nicht übersteuert. Die visuelle Umsetzung lässt mich auf der einen Seite erstaunen und auf der anderen Seite angeekelt wegsehen. Interessant fand ich das Backingvideo zu „Hate me“, wo der Text auf nackte Haut geschrieben ist und passend im Bild zu sehen ist. Anders ist es dann bei „Death cures all pain“, wo ein nacktes Mädchen auf dem Boden sitzt und sich mit Blut besudelt. Ist das ein Messer oder eine Pipette, was da kurz zu sehen ist? Ich weiß es nicht, möchte mir sowas auch nicht länger anschauen. Fast zu viel ist es für mich bei „Dein Herz, meine Gier“. Ein in Stacheldraht gewickeltes Herz dreht sich im Bild und eine Frau betätigt sich mit Messer und Gabel daran. Zeitweilig quillt ihr Blut aus dem Mund. Auch wenn es nicht sehr Geschmackvoll ist, scheinen die Videos aber auch künstlerisch sehr aufwendig produziert zu sein. Nichts wirkt billig und nichts gefaked. Die Show von Johan Van Roy fand ich jetzt doch eher eintönig. Alles lebte für mich nur durch die Videos. Nach gut einer Stunde war das Ganze dann vorbei und ich freute mich schon wie Bolle auf den Hauptact des Abends.

Gegen 23.30Uhr kamen dann endlich Nitzer Ebb auf die Bühne. Mit „Getting Closer“ startete die Best Of-Show, die auch einen gewissen Abschluss für die Band darstellen sollte. Douglas, Bon und Jason sind zwar gut drauf, der Funke springt für mich aber erst sehr, fast zu spät über. Douglas scheint für mich nicht mehr ganz so aktiv, wie vor zwei Jahren, als Nitzer Ebb ihre „Industrial Complex“-Tour an gleicher Stelle starteten. Dennoch lieferten sie gewohnt gut ab. Nur im Laufe des Gigs leerte sich die Markthalle auffallend. Lag es an der zu lauten PA oder doch an dem mittlerweile angestaubten Programm? Viele alte Tracks und wenige gute vom letzten Album. Ich hätte es mir anders gewünscht. Dennoch bin ich zufrieden.

Ein Festival mit so einem Line-Up in Hamburg gibt es leider nicht so oft zu sehen. Aber ich hoffe, dass man aus dem auch 2012 stattfindenden Nordstern-Festival und dem Neuwerk-Festival gelernt hat, dass auch an der Elbe der Punk abgehen kann. Ich bin dann auf jeden Fall wieder dabei.

Livepics

Alle Bilder © by alf 2012

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