Depeche Mode – Ziggo Dome, Amsterdam/NL 07.12.2013

Schon wieder Depeche Mode? Warum nicht! Aber in den letzten zwei Wochen gleich drei Konzerte? Ja, warum nicht! Nach Hannover und Bremen ging es jetzt also mal wieder ins Ausland.

Der Ziggo Dome in Amsterdam/NL ist für mich eine der schönsten Indoor-Arenen, die ich bisher gesehen habe. Am vergangenen Samstag gastierten also Depeche Mode in der Stadt der Grachten und Holzclogs und zelebrierten vor 17.000 Zuschauern ihre „Delta Machine Tour“. Unterstützt von Electronic-Beats ergab sich die angenehme Möglichkeit, Depeche Mode for free zu erleben. Die Gewinner einer Facebook-Aktion wurden zum Warm-Up in die Beat-Bar geladen, die sich direkt im Arenagebäude befindet. Nach einem Begrüßungsgetränk, oder auch zwei, wurden die Gewinner abseits der Schlangen am Eingang in die Arena geschleust. Wenige Minuten bevor die übrigen Besucher Zugang bekamen. So konnte man sich die besten Plätze vor der Bühne quasi aussuchen.

Die Halle füllte sich sehr schnell und anders als in Deutschland waren fast alle Plätze bereits mit Beginn der Vorband „Big Deal“ besetzt. Die Londoner Band, die von ex-Depeche Mode-Label „Mute Records“ gesignt ist, wird von den Holländern freundlich begrüßt und auch teilweise großen Beifall belohnt.

Gegen 21.00Uhr ist es aber dann soweit. Depeche Mode entern die Bühne des Ziggo-Dome und Frontmann Dave Gahan startet seine Rockshow und präsentiert sich in Bestform trotz Erkältung. Es macht Spaß, diesem Mann auf der Bühne zu zuschauen. Er dreht sich wie ein Brummkreisel und schleudert den Mikroständer durch die Gegend, dass man schon Angst bekommt, er würde irgendwann mal Martin Gore zu Boden strecken. Aber was am meisten auffällt, es macht ihm Spaß! Eine Show kann man abliefern, Spaß muss man haben. Und Dave Gahan lacht, lächelt, flirtet und rockt sich durch die Nacht. Schon beim Opener „Welcome to my world“ wird das komplette Repertoire an Rockerposen abgerufen. Spätestens bei „Walking in my shoes“ hat er den Laden im Griff. Erst reagieren die Zuschauer auf den Rängen verhalten aber bei „Precious“ tanzt und klatscht die ganze Arena und Gahan freut sich. Mal stolziert er wie ein Pfau mit ausgebreiteten Flügeln, mal schüttelt er sich den Schweiß aus den nassen Haaren.

Und dann ist es auch schon soweit, dass die erste Hälfte des Abends mit „Policy of truth“ beendet wird. Gahan tritt ab und Martin Gore darf sich wieder einmal als kleiner naiver Solist auf der großen Bühne posieren. Alle freuen sich, dass es eine Änderung im allgemeinen Abendprogramm gibt, als Peter Gordeno „Slow“ anstimmt. Doch, oh weh, das geht meiner Meinung nach voll nach hinten los. Wer „Slow“ auf der „Delta Machine“ hört, muss zwangsläufig daran denken, wie Gahan eine holde Maid vernascht. Aber die Albumversion kann noch so schmutzig heiß und sexuell animiert klingen. Ein Gore hat keinen Sex in der Stimme. Ein Gahan packt sich am Sack und ein Gore fleht um Vergebung. That’s it! „Slow“ wird von Gore/Gordeno zu einem klagenden Gospel zerhackt. Totaschaden ohne Rettungschancen. Das kann nur dadurch gerettet werden, dass es als nächstes „But not tonight“ gibt.  Zumindest hier machen die beiden alles richtig. Die Halle feiert Gore wieder und alle freuen sich, bevor Dave Gahan wieder zurück darf um den zweiten Teil der Show zu beginnen.

Und Gahan macht da weiter, wo er eine viertel Stunde zuvor unterbrochen wurde. Er feiert sich, die Band und das Publikum. Natürlich sind seine Gesten mittlerweile nicht mehr neu, aber alle freuen sich, wenn der Kochtopfdeckel bei „Behind the wheel“ klappert.

Alles gut in der Show? Jein! Was massiv auffällt ist die Distanz auf der Bühne. Dave Gahan ist gut Freund auf der Bühne Martin Gore, Peter Gordeno und natürlich mit Christian Eigner, der auf dieser Tour einen bombastischen Job abliefert. Aber da war doch noch einer? Weit rechts außen steht Andy Fletcher ganz alleine und drückt seine Tasten oder auch nicht. Während Dave Gahan ihn bei der Sommertour immer vorgestellt hat, würdigt er ihm jetzt keines Blickes. Fletcher scheint mal wieder in der Welt von Dave Gahan nicht statt zu finden. Und nicht nur da. Selbst ein Martin Gore scheint sich von Fletcher zu distanzieren. Kein Blick, kein Lächeln und auch kein abklatschen am Ende der Show. Ich frage mich, was ist da los? Normal ist anders in einer Band.

In der Setlist machen Depeche Mode auf Nummer sicher. Hit an Hit gereiht, scheint zwar der Tourname unverständlich zu sein. Aber das stört auch an diesem Abend keine Seele. Und wenn Gahan sich erst mal nackig gemacht hat, sind alle Glücklich. Alles läuft perfekt, bis aufs i-Tüpfelchen durchgeplant. Thats Rock n‘ Roll. Auch wenn man schmunzeln muss, wenn Gore und Gahan bei einer der fettesten Aufführungen von „I feel you“ überhaupt sich vor Eigners Drumkit zum allgemeinen Headbangen versammeln.

Und dann ist plötzlich nach „Never let me down again“ alles vorbei. Einer der besten Depeche Mode-Konzerte, die ich bisher sah und meine persönliche „Delta Machine“-Tour auch und verschwindet in die Nacht mit der Frage, ob es das letzte Mal gewesen sein soll, dass man diese Band so auf der Bühne gesehen hat. Von dem Spaß, den die Band versprüht, kann man nicht davon ausgehen, dass es irgendwann vorbei sein könnte. Wenn man aber das Alter der Herren und evtl. Situationen innerhalb der Band betrachtet, ist es mehr als wahrscheinlich. Wünschen würde ich es mir nicht. Wenn es aber so sein sollte, dass sie abtreten, dann wäre es nach dieser Nacht in Amsterdam mehr als verdient und gerecht.

Setlist:

  1. Intro/Welcome to my world
  2. Angel
  3. Walking in my shoes
  4. Precious
  5. Black celebration
  6. Should be higher
  7. Policy of truth
  8. Slow – Martin Gore
  9. But not tonight – Martin Gore
  10. Heaven
  11. Behind the wheel
  12. A pain that i’m used to
  13. A question of time
  14. Enjoy the silence
  15. Personal jesus
  16. 16.   Shake the disease – Martin Gore 
  17. 17.   Halo
  18. 18.   Just can’t get enough
  19. 19.   I feel you
  20. 20.   Never let me down again

 

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Eine Antwort auf Depeche Mode – Ziggo Dome, Amsterdam/NL 07.12.2013

  1. Claudia sagt:

    Das ist ja mal ein wirklich toller Konzertbericht!
    Auch tolle Bilder, danke!!

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