Mono Inc. auf dem Weg nach Terlingua

MONO_INC_W3A9046_Credit_Sebastian_Schmidt_400Der Frühling hält in Hamburg Einzug. Anfang Mai wird es warm, und der traditionelle Hafengeburtstag steht an. Im iPod läuft schon seit Stunden das kommende Album „Terlingua“ von Mono Inc. Ich fahre freiwillig mit der Hamburger U-Bahn, da ich weiß, dass ich da, wo ich hin will, sowieso keinen Parkplatz bekommen werde. Ich bin auf dem Weg zu einem Treffen mit Martin Engler und Carl Fornia von Mono Inc., um mit ihnen über das neue Album zu sprechen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich keine Ahnung, was mich erwarten würde. Etwas später weiß ich, dass ich mit zwei der nettesten Burschen zusammen gesessen habe, die ich bisher treffen durfte.

Martin, ganz leger in heller Jeans und weißem T-Shirt, sieht jetzt gar nicht so aus wie der Kopf einer Dark-Rockband. „Für mich ist es nicht wichtig, welche die Farbe die Hose unserer Hörer hat. Ob nun schwarz, blau oder weiß ist völlig egal. Ich glaube, es wird auch zu sehr in Schubladen gedacht. Sind wir eine Gothicband?“ fragt Martin. „Viele sehen uns vielleicht so, weil wir u.a. auch beim WGT oder Mera Luna schon gespielt haben. Dabei spielen wir auch in Wacken“, ergänzt Carl. „Es ist doch so, dass die Leute alles irgendwie katalogisieren wollen und für alles eine Berechtigung brauchen. Wenn ich uns betiteln müsste, würde ich sagen, dass wir sowas wie Stadion-Rock machen. Jetzt nicht in der Art, dass wir die größten Arenen füllen, sondern, dass wir Musik machen, die die Massen bewegen kann und auch soll. Mit weit ausgebreiteten Armen schwebt unsere Musik stellenweise über die Massen.“ sagt Martin und Carl ergänzt: „Wir sollten mal bei Saturn oder Amazon oder iTunes vorsprechen, dass wir in dem Genre Stadionrock katalogisiert werden wollen, als einzige Band“ und schmunzelt dabei.

„Um ehrlich zu sein, ist es mir völlig egal, wer unsere Platten hört oder wer in unsere Konzerte kommt. Jeder soll die Musik hören, die er mag. Genauso ist es mit diesem UNHEILIG-Ding. Ist der Graf jetzt noch ein Gothic oder Schlagersänger? Oder wie mit Helene Fischer und der Bild-Zeitung. Angeblich hört und liest die keiner, und trotzdem sind sie erfolgreich. Und so wünsche ich es mir für Mono Inc. auch.“

Um das Gespräch mal auf den eigentlichen Grund unseres Treffens zu bringen, ziehe ich mir eins von den rumliegenden Promosheets der neuen Platte rüber.

Alf: „Mit dem Artwork zu „Terlingua“ habt Ihr mich im ersten Moment verwirrt. Ich hatte noch keinen Ton von der Platte gehört und hatte beim Anblick des Covers schon gedacht, dass Mono Inc. jetzt vielleicht auf das Boss Hoss-Ding aufsteigen“.

Martin lächelnd zu Carl: „Ich hab es doch gewusst, dass das irgendwann mal kommt. Nein, es war ganz einfach so, dass das Artwork für die Platte in einem Guss mit der Produktion in Texas entstanden ist. Wir haben ein Konzert in Austin/Texas gespielt und wollten ganz einfach danach noch ein paar Tage ausspannen und sind dann in diesem Ort gelandet, den Du fast nicht mal Ort nennen kannst. Du bist da weit ab von der Zivilisation, und um Dich herum ist einfach nichts. Wir hatten uns da so ein kleines Haus gemietet, die in den USA schnell mal mit dem Truck befördert werden. Mit einem großem Wohnzimmer, vier Schlafzimmern, Bad, Küche und oben drauf diese typischen Wellblech-Dächer. Anfangs wollten wir nur ausspannen, aber dann kam uns, als wir zurück in Deutschland waren, die Idee, unser neues Album genau dort aufzunehmen. Gesagt, getan, die Plattenfirma fand das auch vom finanziellen Aspekt sehr interessant, und so sind wir wieder rüber und haben uns dort für ein paar Wochen eingenistet“.

Carl: „Es ist faszinierend da. Die einzige Straße, die dort lang führt, ist der Highway 118. Über den kommst Du dahin und fährst wieder weg.“ Er holt sein Handy aus der Tasche um mir weitere Fotos aus Terlingua zu zeigen.

Mono_Inc_Cover_Terlingua_250Martin: „Wir haben natürlich überlegt, wie uns der Ort beeinflussen kann, Wir haben mit Spaghetti – Westernsounds experimentiert, und so langsam uns das erarbeitet, was jetzt vor uns liegt. Wir haben mit der Arbeit angefangen und wussten schon nach fünf Tagen, dass wir hier auch ein ordentliches Artwork haben wollen. So haben wir einen Fotografen nebst Assistenten einfliegen lassen, und so ist in einem fortlaufenden Prozess das Album und auch das Artwork entstanden. Ich mag die Bilder sehr. So haben wir bei der Platte ein schönes Booklet dabei, wo stellenweise die Bilder für sich sprechen sollen. So wie z.B. bei „The Joshua Tree“ von U2. Das Artwork spricht für sich und unterstreicht noch einmal mehr die Stimmung des Albums. Wir haben dann auch gleich das Video zur Single dort gemacht, weil es sich einfach angeboten hat, diese schöne Landschaft einzufangen. Wir möchten, dass unsere Fans sich vielleicht auch animiert fühlen, sich selbst etwas Hintergrundwissen zu erarbeiten. So ist es auch zum Albumtitel gekommen. Anfangs hatte die Platte keinen Titel und wir sind auf einer polnischen Autobahn auf die Idee gekommen, das Album einfach nach dem Entstehungsort zu benennen. Schließlich ist auf der Platte ja auch ein Song mit gleichem Titel. Und wenn Du bei Google „Terlingua“ eingibst, landest Du als erstes im Ghost Town in Texas“

Carl zeigt mir ein Foto der Band, welches auf dem Highway aufgenommen wurde: „Wir hoffen, alles ein wenig eingefangen zu haben.“

Martin: „Es gibt natürlich viele Anekdoten, die man nach so einem Trip erzählen kann. Beispielsweise wie es zu diesem Cowboy-Hut gekommen ist. Schon bei unserem ersten Trip wollten wir uns unbedingt Hüte kaufen. Die texanische Sonne, bei unser aller Haarpracht ist kein Vergnügen. Wir haben also im Netz geforscht, wo es Hüte gibt und unser Navi hat uns da in so ein Industriegebiet geschickt, direkt dahin, wo diese Stetson-Hüte gefertigt werden. Wir sind da also reinmarschiert und haben gefragt, wo es denn nun die Hüte zu kaufen gibt. Die wollten natürlich wissen, wer wir sind. Wir haben denen erzählt, dass wir eine Band aus Deutschland sind.“

Carl: „Du musst Dir das vorstellen, mitten in Texas ist das ja nun nicht so besonders, dass da ne Band spielt. Dann auch noch aus Deutschland.“

Martin: „Am Ende ist es so gewesen, dass jeder von uns diese Fabrik mit einem nagelneuen Stetson verliess und als wir fragten, was wir bezahlen sollen, sagten die nur, das wir nur erzählen sollen, dass die Hüte von Stetson seien. Wir waren sehr überrascht. Und so haben es dann auch die Hüte in das Artwork der Platte geschafft.“

Alf:  „Mir ist gleich beim ersten Durchlauf der Track „1 18“ aufgefallen. Zum einen, weil der Song eine wunderschöne Melancholie ausstrahlt und zum anderen, weil ich mich stark an The Cure erinnert fühle. Irre ich mich da?“

Martin: „Respekt, Du bist der erste, dem das tatsächlich aufgefallen ist.  Es ist so, wie Du es sagst. Ich bin nun mal ein großer Sisters Of Mercy-, The Cure- und auch Depeche Mode-Fan gewesen. Da fließt natürlich auch mal etwas mit in unsere Musik ein. Besonders das „Disintegration“-Album hat es mir angetan. Die Stimmung auf der Platte ist einfach grandios.“

Carl: „Eigentlich bin ich bei uns ja für die lauten Töne verantwortlich, aber nachdem wir das Album auch in der Reihenfolge der Tracks zusammengestellt haben, ist „1 18“ für mich eins der besten Stücke auf der Platte. Vielleicht, weil wir selber auf dem Highway gefahren sind.“

Martin: „Wenn Du so wie wir morgens um fünf übernächtigt in den Van steigst, um Terlingua über den Highway zu verlassen, da kommt schon Wehmut auf. Es hätte nicht so gewirkt und wäre auch nicht so schön geworden, wenn wir die Platte in Deutschland produziert hätten. Ein Titel der dann „A1“ oder „B5“ heißt, wirkt nicht so toll. Ich hatte auch lange überlegt, ob das Stück vielleicht „Highway 1 18“ heißen soll, aber das hätte die Leute vielleicht verwirrt. Weil Highway schnell mit sechsspurigen Autobahnen verwechselt werden. Da wäre schon beim Titel der Reiz der Ferne verpufft.“

Alf: „Ich habe bisher nur gelesen, dass Ihr diesen Sommer einige Festivals spielt. Wird es auch eine Tour geben?“

MONO_INC_W3A9528_Credit_Sebastian_Schmidt_200Martin: „Ja natürlich, wir können da aber noch nicht genaues sagen. Wohl irgendwann im Herbst werden wir auf Tour gehen. Da freuen wir uns auch schon drauf, da Du im Konzert immer noch die Leute am besten erreichst. Wir sind auch recht spontan jetzt als Headliner beim Hamburger Hafengeburtstag eingesprungen. Eine Band musste aus gesundheitlichen Gründen absagen, und so ist man an uns herangetreten. Es war organisatorisch recht heikel, aber wir freuen uns, morgen Abend dabei zu sein.“

Alf: „Mit Euren letzten beiden Alben habt Ihr bereits erheblichen Erfolg gehabt. Wie hoch sind Eure Erwartungen an „Terlingua“?“

Carl: „Natürlich ist das aktuelle Album immer das Beste, was man gemacht hat. Das sagen immer alle. Aber wir sind in dem charmanten Vorteil, relativ gelassen an die Sache ranzugehen. Für mich persönlich ist es nicht so wichtig, ob wir jetzt zehntausend oder fünfzigtausend Stück verkaufen, weil es sich nicht messen lässt. Außer vielleicht auf dem Kontoauszug. Für mich ist es da schon wichtiger, wie viele Menschen wir mit der Platte erreichen und die dann auch in unsere Konzerte kommen. Daran finde ich, kann man als Musiker den Erfolg am besten messen, weil Du siehst, was Du mit der Musik bewegst.“

Martin: „Wie Carl schon sagte, man sagt immer, dass die aktuelle Platte die beste ist. Wen ich aber die kontinuierliche Schaffensphase von Mono Inc. betrachte, erkenne ich schon einen roten Faden und höre auch bei jeder Platte, dass wir wieder einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht haben. Wenn ich ehrlich bin, muss ich dieses mal aber auch wirklich darauf bestehen, dass wir mit „Terlingua“ das beste Album gemacht haben, dass wir je gemacht haben.“

monoinc_alfAlf: „Schnell, viel zu schnell ist die Zeit schon vergangen.“

Martin: „Ja schade, es hat wirklich Spaß gemacht mit Dir. Ich hoffe, wir sehen uns morgen Abend auf dem Hafengeburtstag“?

Carl: „Dann hast du auch gleich einen Eindruck, wie die neuen Stücke live rüber kommen“

Martin: „Genau, aber wir sehen uns allerspätestens auf der Tour. Da spielen wir in Hamburg in der Markthalle. Eine sehr geile Location, wo ich schon früher immer gerne zum Feiern und Abrocken hingegangen bin.“

In diesem Sinne…

 

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Imaginary War im Interview in Hamburg 29.04.2015

Imaginary_War_HH_800Selten passiert es, dass einem ein Longplayer in die Hände fällt, der einen vom ersten Moment an begeistert, und man wartet dann verzweifelt darauf, mehr von diesem Künstler oder von der Band zu bekommen. So geschehen ist es mir bei der Band Imaginary War aus Ulm. Ihr Erstlingswerk „Replacing The Ghosts“ (2012) bietet ein weites Spektrum an Wave und Electroeinflüssen. Die Stimme von Sänger Joki Schaller fesselt und bringt sich in eine interessante Einheit mit der Band.

Lange gab es nicht viel zu hören von der Band. Jetzt haben sie mit der Single „The Way we feel“ ein neues Lebenszeichen von sich gegeben und haben sich zu einer kleinen Clubtour aufgemacht. Ich traf die Band anlässlich ihres Hamburger Auftritts und war überrascht, wie nett und zuvorkommend die Jungs doch sind.

Alf: „Hallo zusammen, erst mal vielen Dank, dass Ihr Euch die Zeit für einen kleinen Talk genommen habt. Euer erstes Album „Replacing the Ghosts“ ist ja nun auch schon ein paar Tage alt. Was habt Ihr seitdem denn gemacht?“

Joki: „Also wir möchten uns bei Dir bedanken, dass Du die Zeit für uns gefunden hast. Was haben wir gemacht? In erster Linie haben wir gespielt und neue Songs geschrieben. Da wir, mal vom körperlichen abgesehen, eine recht junge Band sind, hat der Findungsprozess um neue Songs zu schreiben und zu produzieren deutlich länger gedauert als vielleicht bei anderen Bands. Wir wollten uns nicht einfach kopieren, sondern auch neue Sachen probieren und erfinden.“

Axel: „Es ist ja trotzdem so einiges passiert. Auch gerade im Anschluss an das Album. Und so haben wir uns stetig weiter mit neuem Material beschäftigt. Im Vordergrund steht jetzt ja gerade unsere neue Single. Da haben wir viel Herzblut rein gesteckt.“

Alf: „Ich denke ja mal, „The Way We Feel“ wird sowas wie ein Vorbote für ein neues Album sein, oder? Gibt es da schon konkrete Pläne?“

Axel: „Ein neues Album ist natürlich angestrebt. Wir haben mit Sicherheit auch genügend Material, das wir schon produziert haben. Wir suchen jetzt nach einer geeigneten Form einer Veröffentlichung. Wir müssen da eine neue Struktur aufbauen, mit einem Label und was so dazu gehört. Da gibt es jetzt noch keinen konkreten Zeitplan, aber wir hoffen schon, dass da dieses Jahr noch was passieren wird.“

Alf: „Eure Musik empfinde ich stellenweise als progressiv mit hohem Wiedererkennungswert. Wo liegen Eure Wurzeln, solche Songs zu produzieren?“

Joki: „Unsere Wurzeln? (lacht) Also ich habe zehn Jahre lang in einer Metalband Gitarre gespielt und gesungen oder vielleicht eher gebrüllt. Axel kommt auch aus dem Metal, Martin aus dem Punk und Roman hat auch in einer Punkband geschrubbt. Mit Electro habe ich relativ spät angefangen oder eher zurück gefunden. Durch meine Eltern habe ich damals viel von den 80ern und ihrer Musik mit bekommen. Und das versuchen wir heute halt zu kombinieren. Zum einen, das roughe der Gitarrenmusik und die starken Einflüsse des Electro.“

Alf: „Stellenweise fühle ich mich bei Eurer Musik an De/Vision erinnert, als diese noch gut waren.“

Joki und Axel lachen. „Das hören wir seltsamerweise öfters“ sagt Joki und Axel ergänzt „De/Vision hab ich jetzt so gar nicht auf dem Schirm. Ich hab, glaube ich, ein oder zwei Platten von denen, aber ich würde das nicht als direkten Einfluss sehen. Bei uns ist es halt so, dass der Joki die meisten Sachen schreibt. Die Metaleinflüsse hört man bei uns eher bei den Liveauftritten raus, teilweise mehr als auf Platte. Es klingt zwar schon so, wie auf Platte, aber die Attitüde geht dann mehr in Richtung Metal. Es ist schon eine schwierige Frage, wie sich so’n Stil dann entwickelt. Es kommt schon mal vor, dass wir dann ein Riff spielen oder so, der jetzt gar nicht passt, oder auch, sich wieder wunderbar zu dem gesamten zusammen fügt.“

Joli: „Ich denke, was für uns wichtig ist, ist die Tatsache, dass wir uns nicht auf einen bestimmten Stil festlegen können und wollen. Deswegen haben wir leider auch relativ viel Ausschuss, weil wir nicht auf einen Nenner kommen. Ich schreibe halt und wir arbeiten bis zu einem gewissen Punkt und entscheiden dann gemeinsam, ist es ein Song für Imaginary War oder eher nicht. Es ist ab und zu schon witzig. Da haben wir einen klasse Song, müssen dann aber feststellen, dass der überhaupt nicht in unser Repertoire passt. Teilweise ist es schade, aber auf der anderen Seite macht es auch wahnsinnig Spaß, sich durch die verschiedenen Stile durch zu arbeiten. Und dabei entstehen die aberwitzigsten Dinge. Wir sind da ganz offen und sind frei davon, jetzt als nächstes wieder so ein Electro-Ding nach Schema F zu bauen.“

Der letzte der vier ist Roman, der jetzt auch zu unsrer Runde dazu stößt.

Alf: „Ihr wart jetzt in London, wie war es in so einer Stadt aufzutreten?“

Axel: Es war schon toll. Es ist halt eine riesen Stadt mit einem Riesenangebot an Musik. Das haben wir schnell gemerkt. Aber es war für uns eine abgefahrene Geschichte, überhaupt mal dort eingeladen zu werden, mit einem relativ bekannten Konzertveranstalter dort zusammen zu arbeiten. Wir haben auch da, egal wie viele Leute gekommen sind, immer einen guten Draht zum Publikum und zu den Leuten aufgebaut und was immer spannend ist, da ging es uns in Paris genau so, es spielt überhaupt keine Rolle, wo man her kommt. Ich dachte am Anfang, so England, brauchen die denn überhaupt eine deutsche Band. Aber das war dem Publikum völlig egal.“

Alf: Und wie ist die Rollenverteilung bei Euch in der Band? Joki schreibt und singt und was macht Ihr sonst?“

Roman: „Ich spiele hauptsächlich Gitarre, mache die Backingvocals und spiele ein wenig Keyboard.“

Martin: „Ich bin der Maschinist der Band und bediene unsere Maschinen und spiele Keyboards.“ „Und Martin ist unser bandeigener Grafiker. Er hat u.a. auch unser neues Logo entworfen“ wirft Axel noch ein.

Axel: „Und ich spiele Schlagzeug. Ich habe ein normales Drumkit, bediene aber auch alle elektronischen Drums und Percussions und steuer ab und zu ein paar Texte bei.“

Alf: „Wo wir gerade auf das Logo kommen, das Sleevedesign zur Single beinhaltet einen Screenshot aus dem Video zu „The Way We Feel“. Wer hat das Video gedreht?“

Joki: „Gedreht hat das Video quasi Martin.“

Martin: „Das Video ist ein Stück weit zufällig zustande gekommen. Und zwar auf einer Alpenexpedition in 1800 Metern Höhe. Mit Kamera und Licht und dem ganzen Equipment.“

Axel: „Es ist halt komplett von uns. Und das ist auch mit die Idee dahinter, so wenig Leute wie möglich zu involvieren. Die beiden, Joki und Martin, sind halt los gezogen, damit man auch ein bisschen diese Atmosphäre der Einsamkeit hat. Die beiden sollten auch das Gefühl haben “Ja, wir sind auf einer Expedition und schweigen uns auch mal ein oder zwei Stunden an“. Das ist so das, was wir mit einfangen wollten. Das ist jetzt nicht besonders inszeniert, sondern soll so eher begleitend wirken.“

Alf: „Verzeiht mir, wenn ich das so sage, aber ich fühle mich ein wenig an die Videos von Anton Corbijn in den 90ern erinnert. So z.B. natürlich Depeche Mode’s „Enjoy The Silence“ oder Grönemeyers „Mensch“.“

Joki lacht: „Ach, da stehen wir drüber. Der Anton ist halt ein unglaublich großer Künstler, egal ob der nun einen Film dreht, ein Foto macht oder ein Video zu einem Musikstück macht. Und seine Ideen, die er so hat, finden wir alle verdammt gut und vielleicht ist da was mit eingeflossen, wenn aber eher zufällig. Aber es ist natürlich schön, wenn das Video solche Assoziationen bei Dir oder bei unserem Publikum hervorruft. Wir wollten mit dem Video eigentlich eher die Geschwindigkeit aus dem ganzen raus nehmen und eine Art Gemälde kreieren. Und ich denke mal, das ist uns auch sehr gut gelungen.“

Alf: „Ohne Zweifel. Mir gefällt es sehr. Wie ist das eigentlich, wenn dieses Jahr noch ein Album erscheinen sollte, habt Ihr dann auch gewisse Pläne, was eine Tour angeht?“

Axel: „Also natürlich spielen wir gerne live und wollen das dann auch wieder verstärkt machen. Ein Wunsch von uns wäre es, vielleicht mal wirklich eine ausgedehnte Support-Tour zu machen. Festivals machen wir auch immer gerne. Aber da gucken wir jetzt erstmal was kommt. Konkrete Pläne gibt es da noch nicht.“

Alf: „Ihr wart auch schon beim WGT?“

Axel: „Ja WGT haben wir letztes Jahr gemacht. Das war für uns ein abgefahrenes Ding. Wir wurden gebucht und haben am Samstag relativ früh gespielt. Die Halle war voll und blieb auch voll und die Leute waren regelrecht begeistert. Wir waren ja eigentlich so die Wundertüte. Wir waren recht neu, nicht so bekannt in der Szene und keiner wusste, was ihn erwartet. Es lief für uns dort aber wirklich überwältigend, muss man mal so sagen. Da haben wir schon gemerkt, dass wir in der Szene ganz gut aufgenommen werden.“

Alf: „Ihr seid ja nicht nur zum Spaß hier, sondern heute Abend gibt es einen Gig in der Astra-Stube. Was können wir dort erwarten?“

Joki: „Es wird toll. Es wird ein kleines nettes Konzert geben. Auch wenn wir viel Equipment dabei haben und der Laden nicht sonderlich groß ist, haben wir einiges vor. Ich freue mich drauf, in einer kleinen intimen Atmosphäre zu spielen. Es ist spannend, weil Du mit Deinem Publikum Auge in Auge stehst und nicht wie bei einem großen Gig oder einem Festival in die Dunkelheit spielst.“

Axel: „Ja wir spielen ein paar neue Songs, mindestens fünf an der Zahl, inklusive „The Way We Feel“ und „Made A Decision“, den wir gerade erst bei Soundcloud veröffentlicht haben. Dazu machen wir in den kommenden Wochen auch ein tolles Video. Und wir haben Licht dabei. Viel Licht, also lieber eine Sonnenbrille mitbringen.“

Alf: „Das wird gemacht. Ich freue mich auf das Konzert und die neuen Songs. Ich wünsche Euch viel Spaß heute Abend und alles Gute für Eure Zukunft, Ihr habt es verdient.“

So haben wir noch länger zusammen gesessen und über Gott und die Welt geplaudert. Und natürlich darf eine Frage zu Depeche Mode nicht fehlen. Joki hat mir erzählt, dass er in Sachen Depeche Mode eher ein Späteinsteiger ist: „Natürlich kannte ich Depeche Mode schon von früher, wir sind ja wohl fast eine Generation. Aber wirklich auf Depeche Mode eingestiegen bin ich tatsächlich erst mit dem „Playing The Angel“-Album. Ich finde heutzutage gerade die Mischung aus Rock und Electro-Einflüssen bei DM recht interessant. Damit haben sie etwas geschaffen, was kaum ein anderer kann, nämlich, dass keine Platte dem Vorgänger gleicht. Das hast Du bei den vielen Bands, die im Fahrwasser von Depeche Mode mit schwimmen, nicht. Die finden ihren Sound und der wird dann so lange reproduziert, bis es nur noch eine Kopie von der Kopie von der Kopie ist. Mesh ist da z.B. ein gutes Beispiel. Die sind eine kurze Zeit wirklich innovativ gewesen, haben aber dann ihren Stil gefunden und der wird dann immer und immer wieder ausgelutscht. Ich weiß gar nicht, gibt es VNV Nation noch? Die waren früher auch sehr geil.

Gefunden haben sich Imaginary War eher zufälligerweise. Axel erzählt: „Der Joki und ich, wir kannten uns irgendwie aus dem Kreis der Metalbands und irgendwann standen wir auf einer Party zusammen, war es Silvester (?), und haben dann in bierseeliger Laune uns gesagt, wir müssen unbedingt mal was zusammen machen. Und da ist die Grundidee für Imaginary War mit entstanden“.

Vier Männer, die aufbrechen, um die Dämonen der modernen Welt zu bekämpfen. Und der Feldzug gegen die Dämonen hat Imaginary War am gleichen Abend in die intimen Räumlichkeiten der „Astra-Stube“ geführt. Ich war zunächst etwas skeptisch, ob dieser kleine Rahmen so einer Band gerecht werden könnte. Ranziges Interieur und S-Bahnen, die über uns hinweg donnern. Aber sobald Imaginary War die kleine Bühne betraten, wurde die Kneipe zu einer Kathedrale, in der sich Joki Schaller als düsterer Krieger wacker gegen das Unheil der Welt schlug. Der Klang war nahezu perfekt und schnell baute sich eine Verbindung zwischen der Band und dem Hamburger Publikum auf. Sie haben sehr gut gestartet und wurden dann auch immer noch besser. Die Stücke vom ersten Album „Replacing The Ghosts“ (2012) mischten sich mit neuem Material, welches mit der aktuellen Single „The Way We Feel“ seinen beinahe Höhepunkt erreichte. Die Mischung aus Gitarrensound, Electroklängen und dem harten Schlagzeug war eine Freude. Und die Bühnenpräsenz von Joki Schaller hatte ich so nicht erwartet. Er kämpft, er leidet und steigt geschlagen doch wieder auf.

Imaginary War haben mich von Start weg begeistert an dem Abend und dem Hamburger Publikum ging es ebenso. Jetzt heißt es abwarten, bis das neue Material seinen Weg findet, um diese Band einer noch breiteren Masse bekannt zu machen.

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Joachim Witt, Markthalle Hamburg 06.05.2014

Das geht jetzt ja mal fix. Kaum ist das neue Album „Neumond“ von Joachim Witt auf dem Markt, hält der Gevatter des Dark-Pop auch schon Hof und liefert sein Heimspiel in der Markthalle in Hamburg ab. Und der Abend konnte kaum besser sein.

Eröffnet wurde der Abend allerdings von der Münsteraner Formation LEICHTMATROSE. Gegen 20.30Uhr betraten Andreas Stitz und seine Musiker die Bühne der noch spärlich gefüllten Markthalle und präsentierten ihren Electro-Chanson gekoppelt mit eindeutig zweideutigen Texten. Ich kannte zwar das erste Album „Gestrandet“ (2009), hatte es aber nicht so positiv in Erinnerung, wie es mir jetzt präsentiert wurde. Und LEICHTMATROSE schafften es, das Publikum an die Bühne und in den Saal zu locken. Stücke wie „Gestrandet“, „Sexi ist tot“ oder auch die Tracks von der neuen E.P. „Johnny fand bei den Sternen sein Glück“ haben mich sehr positiv überrascht. Einziger Wermutstropfen, dass LEICHTMATROSE den äußerst genialen Track „Hier drüben im Graben“ alleine performt haben und nicht wie auf Platte mit Joachim Witt zusammen performen.

Gegen 21.30Uhr wurde es dunkel im Saal und die Bässe wummern aus den Boxen. Zeit wird es für den Gevatter Witt. „Wir werden wieder aufstehen“ – so singt er. Anfangs kommt es mir zwar so vor, als wenn an diesem Abend Joachim Witt es etwas schwer fällt. Aber schnell legt sich die anfängliche Starrheit und der Abend kann nur noch gut werden. Joachim Witt wird von einer guten Band unterstützt und die Stücke von „Neumond“ entwickeln Livequalitäten, die ich anfänglich nicht erwartet habe.

Der erste Teil des Abends besteht ausschließlich aus Stücken von der „Neumond“. Und ebenso wie auf dem Album entwickeln sich Stücke wie „Die Erde brennt“ oder „Ohne Dich“ zu wahren Partykrachern. Und Witt dazwischen, dem man seine Spiellaune ansehen kann. Er nimmt sich Zeit, zwischen den Stücken mit dem Publikum auf seine Art zu kommunizieren. „Schläfst Du???“ fragt er jemanden, der in der ersten Reihe wohl nicht so mit geht und es folgt sogleich eine Dusche aus der Wasserflasche. Er schaut, beobachtet und erkennt. Und er taut immer mehr auf, so dass er zu der alten Höchstform aufläuft, wie ich ihn bereits vor vielen Jahren kennen gelernt habe. Auf dem schmalen Grat zwischen Wahnsinn und Genie. Wenn man bedenkt, was für ein positiver, ausgeglichener Zeitgenosse er ist, muss man schon schmunzeln.

Mit einer sehr verlängerten harten Version von „Dein Lied“ beendet Witt das „Neumond“-Set, um mit „Gloria“ in den zweiten Teil der Show zu wechseln. Und da kann Witt sich aus einem Topf großer Hits bedienen. „Das geht tief“, „Bataillon D‘amour“ oder auch „Eisenherz“ lassen mein Herz schon höher schlagen. Natürlich darf „Die Flut“ nicht fehlen. Leider ohne Peter Heppner, wie auch Witt recht humorvoll auf seine Art bedauert.

Und dann war der Abend auch schon fast vorbei. Aber vorher begrüßte Joachim noch einen alten Weggefährten auf der Bühne. Harry Guttowski, der zusammen mit Joachim Witt die Band Duesenberg (1976-1980) gründete. Und der brachte gleich noch den Bass mit, mit dem einige Stücke der „Silberblick“ eingespielt wurden, um das Finale mit dem „Goldenen Reiter“ und natürlich dem „Herbergsvater“ zu zelebrieren. Und Hamburg feierte mit. Die Stimmung in der Markthalle war fantastisch, und alle waren glücklich, als Joachim nach zwei Stunden alle in die Nacht entließ.

Er kann es immer noch, und es macht ihm immer noch Spaß, und so soll es auch bleiben, solange der Gevatter auf unsere Triebe achtet.

Setlist:

  1. Intro – Neumond
  2. Aufstehen
  3. Die Erde brennt
  4. Mein Herz
  5. Es regnet in mir
  6. Bis ans Ende der Zeit
  7. Ohne Dich
  8. Spät
  9. Dein Lied
  10. Gloria
  11. Königreich
  12. Das geht tief
  13. Bataillon D’amour (Silly-Cover)
  14. Die Flut
  15. Supergestört und Superversaut
  16. Eisenherz
  17. Der goldene Reiter
  18. Herbergsvater
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Der „Wolle“ des Dark-Pop sieht den Neumond aufgehen

Ein grauer Freitagnachmittag in Hamburg. Im wunderschönen Hamburger Literaturhaus-Cafe an der Außenalster hält der Herbergsvater Hof, um über sein neues Album „Neumond“ zu sprechen. Joachim Witt sitzt in der hinteren Ecke, gehüllt in einen schwarzen Anzug und steht schon den ganzen Nachmittag der Presse Rede und Antwort. Wo geht das Album hin, welche Begebenheiten haben dazu geführt, so eine melodiöse Platte zu machen und welche Schicksale ihn bei der Produktion beeinflusst haben. Darüber haben wir uns eine gute halbe Stunde ausgetauscht. Dabei hat man gemerkt, der Herr Witt denkt zwar viel nach, ist aber nicht grüblerisch und macht auch mal Scherze über sich selbst.

Alf: Hallo Joachim, schön dass Du mir die Gelegenheit gibst, dass wir uns unterhalten können.

Joachim Witt: Ja gerne. Du schreibst?

Alf: Ja, ich bin von der schreibenden Zunft und ich freue mich wirklich, weil ich Deine Musik schon immer begleitet habe. „Kosmetik“ war eine meiner ersten selbst gekauften Singles.

Joachim Witt: Danke Dir.

Alf: Ich habe „Neumond“ gehört, und ich finde die Platte klasse. Nach „DOM“ hatte ich die Befürchtung, dass es mir evtl. nicht gefallen könnte. Aber ich bin begeistert vom ersten Ton an. Gibt es eine Verknüpfung zwischen „DOM“ und „Neumond“?

Joachim Witt: Nein, es hat sich einfach aus der Situation ergeben, dass ich im Frühsommer 2012 mit Martin Engler von Mono Inc. eine Kooperation hatte, die „Kein Weg zu weit“ hieß. Aus diesem Duett hat sich ein näherer Kontakt zwischen uns entwickelt. Und da eine neue Albumproduktion bei mir anstand, hatte Martin sich angeboten, mit mir zusammen was zu erarbeiten. Da Martin und ich uns gut verstanden, habe ich sein Angebot wahrgenommen, und wir haben sofort los gelegt. Martin kam gleich in der Startphase mit zwei, drei Hammersongs um die Ecke.

Vorab haben wir eine grobe Richtung besprochen, was die Sounds angeht, und er kennt auch meine emotionalen und melancholischen Vorlieben. Und so kam ein neuer Song nach dem anderen zustande.

Martin hat mich auch darauf angesprochen, wieder mehr zu singen als zu rezitieren. Die neuen Titel eignen sich dafür und haben tolle Melodiebögen, so dass ich noch mehr aus meinem Schatten gesprungen bin als bei „DOM“. So kamen auch sehr schnell die Textideen und alles passte zusammen. Ich habe mal abgesehen von „Silberblick“ (1980) noch nie so eine schnelle Produktion gehabt. Wir haben im Juli angefangen und waren soweit im Oktober 2012 fertig.

Das ist schon alles Geschichte und jetzt bin ich gespannt, wie die Hörer draussen darauf reagieren.

Alf: Was mich bei „Neumond“ wundert, ist die musikalische elektronische Richtung. Ist das Euer Grundgedanke von Anfang an gewesen? Wolltest Du das Album in diese Richtung bringen, weg von der „Neuen Härte“?

Joachim Witt: Ja, das war schon bei „DOM“ der Fall. Ich wollte zwar nicht komplett auf Gitarren verzichten, aber auf die vordergründigen Gitarren. Es sollte elektroschischer klingen, und ich wollte damit auch mal einen neuen Weg gehen. So wie auf „Neumond“ habe ich es bisher auch noch nicht gemacht. Da finde ich es aus meiner Entwicklung heraus auch notwendig, dass ich das Gefühl bekomme, was für mich wirklich Neues geschaffen zu haben. Das Gefühl habe ich dabei. Eine Affinität zur Elektronik hatte ich immer schon. Angefangen von DAF über Kraftwerk zu Neu. Und Neu war eigentlich auch Inspirationsquelle für „Silberblick“ damals. Ich hatte immer schon eine gewisse Affinität zur Elektronik.

Und in Verbindung zur Vorbereitung auf das neue Album haben wir auch darüber gesprochen, dass wir dann ja auch wieder live auftreten wollen und in der Setlist dann im Vergleich zu „Dom“ auch mal wieder ein paar Uptempo-Nummern haben wollen, die dann auch nach vorne gehen. Das war schon so abgesprochen. Ich bin mit dem Ergebnis im Reinen und kann mich mit „Neumond“ richtig wohl fühlen.

Alf: Als ich das Album bekommen habe, lief es spontan gleich drei mal durch. Beim ersten Durchlauf dachte ich z.B. bei „Die Erde brennt“, das ist nicht Witt. Auf der einen Seite sehr düstere Klänge, von der Melodieführung aber wieder so positiv, das ich schon fast enttäuscht war, dass es nicht die erste Single ist. Für mich ein typischer Track, der danach schreit, eine Single zu werden.

Joachim Witt: Wird auch wahrscheinlich so kommen.

Alf: Und das ist für mich der rote Faden, der durch das gesamte Album geht. Es fehlen die Füllstücke. Ein guter Track nach dem anderen. „Bis ans Ende der Zeit“ ist mir erst sehr spät aufgefallen. Bei der Thematik ist es mir eiskalt den Rücken runter gelaufen. Ist das Stück autobiografisch? Es geht ja wohl darum, jemanden durch seine Trauer zu begleiten.

Joachim Witt: Anstoß zu „Bis ans Ende der Zeit“ war eine Begebenheit mit meiner Lebensgefährtin, dass sie ein ihr nahestehendes Familienmitglied verloren hat und große Schwierigkeiten hatte, sich damit abzufinden. Dieses Thema war es für mich wert, es einmal für einen Song zu verwenden.

Alf: Trotz allem höre ich so viel Positives auf „Neumond“. Willst Du Dich jetzt nochmal neu erfinden?

Joachim Witt: Weißt Du woran das liegt? Weil ich neuerdings der „Wolle“ des Dark-Pop bin. (Joachim wartet ab und fängt laut an zu lachen) Da sträuben sich Dir die Nackenhaare, oder? Das will ja keiner und ich sage das jetzt mal ganz kokett. Es sind halt auf „Neumond“ ganz starke Melodien drauf, wie ich sie vorher nicht gemacht habe. Das untermalt in Verbindung mit den etwas schwereren Klängen eine Mischung, die es derzeit so nicht unbedingt gibt. Okay, Depeche Mode schaffen es manchmal, so eine Mischung hin zu bekommen. Sonst wüsste ich spontan nicht, wer sowas noch macht. Viele versuchen es, können aber Schwermut nicht mit solchen Melodien verpacken. Das wirkt dann eher destruktiv.

Alf: Das ist für mich schon ein gewisser Zwiespalt und ich frage mich, wie schafft man das, traurige Melodien so positiv zu verkaufen.

Joachim Witt: Es ist doch häufig so, dass jemand nicht da ist, den man vermisst, eine Situation, die vom Gefühl her sehr schmerzhaft ist aber die Sache trotzdem irgendwie wieder gut ausgehen wird. Es ist immer der Aspekt drin, dass nicht alles zum scheitern verurteilt ist. Das finde ich auch für mein Leben wichtig. Das ist auch ein Ansatz, den Menschen zu vermitteln, nicht immer aufgeben zu wollen. Das ist für mich auch aus meiner Lebenserfahrung heraus, den Menschen mitzuteilen, an seine Träume zu glauben.

Ich bekomme ja auch Mails oder Briefe von Leuten, die mir dann auch sagen, dass meine Musik ihnen in gewissen Lebenssituationen sehr geholfen hat. Das ist doch für einen Künstler mit das schönste, was man über sich selber hören kann.

Alf: Du gehst jetzt im Frühjahr auf Tour, worüber ich mich ganz besonders freue. Wie meinst Du, schafft man die musikalischen Sprünge zwischen älterem Material, mal die Bayreuth-Triologie als Beispiel, und den neuen „Neumond“-Stücken? Stehen die Stücke musikalisch gesehen nicht ab und zu auch im Zwiespalt?

Joachim Witt: Ich möchte da jetzt nicht zu sehr vorgreifen, aber wir haben einen Weg gefunden, den neuen und den alten Joachim Witt auf der Bühne so zu verbinden, dass sich Vergangenheit und Gegenwart nicht zu sehr stören. Wir werden versuchen, so viele Stücke von „Neumond“ wie möglich zu spielen.

Alf: Wir sind gespannt. Wie ist denn heute Dein Verhältnis zu anderen Acts im Bereicht des Dark-Wave oder Electropop?

Joachim Witt: Eigentlich so gut wie gar nicht. Ich bin da eher als Einzelgänger unterwegs und habe keinen ständigen Kontakt zu anderen Künstlern dieses Genres.

Zu Peter Heppner habe ich mal wieder Kontakt gehabt, aber er zählt jetzt ja nicht unbedingt zu den Elektro-Ikonen. Die Jungs von DAF habe ich nach langer Zeit mal wieder getroffen, aber sonst eher nicht. Du denkst dabei wahrscheinlich eher an Apoptygma Berzerk oder VNV Nation oder so. Wobei ich eigentlich ganz gerne wollte, dass Ronan Harris (VNV Nation) mal wieder einen Remix für mich macht. Er hat ja damals einen fetten Remix zu „Wo versteckt sich Gott“ gemacht. Aber er ist ja derzeit immer unterwegs und hat leider für Remixe derzeit keine Zeit. Schade eigentlich. Ansonsten verfolge ich schon die Szene. Auch AndOne, die haben damals eine geniale LP gemacht. Mit „Steine sind Steine“ drauf.

Alf: Du meinst die „Bodypop“?

Joachim Witt: Ja genau. Die Platte war einfach geil. Da hat mich jedes Stück begeistert. Es wundert mich, dass die damals nicht größer eingeschlagen sind und eine breitere Masse angesprochen haben. Aber danach weiß ich nicht… Und dann noch diese andere Band aus dem Osten…

Alf: Melotron?

Joachim Witt: Ja, die auch. Aber die machen ja leider nicht mehr viel und haben auch leider mit englischen Texten jetzt angefangen. Das finde ich persönlich nicht so schön. Findest Du das gut?

Alf: Jein, ich bin damals Fan geworden, gerade weil sie deutsch singen. Andy K. kann die deutschen Texte durch seine Stimme und seine Betonung sehr gut vermitteln. Aber von den Jungs kommt ja leider auch nichts Neues mehr.

Joachim Witt: Das gibt aber jetzt auch nur meinen musikalischen Kontakt oder Geschmack wieder. Persönlichen Kontakt habe ich mit den allen eher nicht.

Alf: Wie ist denn Joachim Witt heute als Privatmann? Magst Du solche Fragen? Bist Du ein Denker oder auch ein Mann, der gerne in Gesellschaft lebt? Du wirkst für mich immer sehr nachdenklich.

Joachim Witt: Da ist auch so. Ich suche partiell die Gesellschaft, bin aber auch sehr gerne alleine oder nur mit meiner Partnerin zusammen. Ich versuche das immer in einem gewissen Gleichgewicht zu halten. Aber dadurch bedingt, dass ich auf dem Land lebe, und ich es mir ja auch bewusst so ausgesucht habe, ist da auch schon eine meditative Ruhe und Umgebung, so das ich da manchmal aber auch wieder raus muss. Dann fahre ich in die Stadt oder ich verreise dann auch gerne mal. Diese typische Partygeschichte reizt mich aber nicht mehr so. Konzerte habe ich mir noch nie gerne angeschaut, es sei denn, ich konnte irgendwo sitzen oder ich bin geschützt vor dem Gedrängel und Getrampel. Das ging mir aber schon immer so. Das mochte ich noch nie wirklich, in der Menge oder Masse stehen.

Ich bin eher der introvertierte Mensch. Das war aber früher noch viel ausgeprägter. Das hat sich im Laufe der Jahre schon geändert, und ich habe für mich meinen Platz gefunden.

Alf: Wenn Du die Wahl hast, Bier oder eher Wein?

Joachim Witt: Ich trinke schon gerne ein Bier zum Durst löschen, danach dann eher ein Glas Wein.

Alf: Wenn Du so auf Deine musikalische Vergangenheit zurück schaust, bist Du dann zufrieden oder hättest Du aus heutiger Sicht gerne etwas anders gemacht?

Joachim Witt: Schwierige Frage… (Überlegt lange) Ich wäre gerne, hätte ich die Wahl gehabt, woanders geboren worden. Am liebsten in England oder Amerika. Da hätte ich durch die Sprache andere Möglichkeiten gehabt, mich musikalisch zu entfalten. In Deutschland war es immer eng, begrenzt und hatte immer den Geschmack des Provinziellen. Aus diesem Schatten wollte ich immer raus. Das gelingt in Deutschland immer sehr viel schwerer als woanders.

Alf: Aber Du hast in der Vergangenheit ja auch mal englischsprachige Musik gemacht. Würdest Du Dich das heute nochmal trauen?

Joachim Witt: Nur in einem gewissen Umfeld. So z.B. haben wir ja ein Duett mit Lisa Gerrad von Dead Can Dance gemacht. Das auf der Bonus-CD von „Neumond“ zu hören ist. Aber sonst eher nicht. Es muss schon einen Grund haben, das Deutsche zu verlassen. Sonst sehe ich die Notwendigkeit heute nicht.

Alf: Kommerzieller Erfolg ist ja heute vonnöten, da man damit ja nunmal sein Geld verdient. Welche kommerziellen Erwartungen hast Du denn an „Neumond“ im Vergleich zu den Alben der jüngeren Vergangenheit?

Joachim Witt: Irgendwas in mir sagt, dass die Songs und somit auch das Album großes Potenzial haben können, aber das ist ja nur sowas wie eine Weissagung. Aber irgendwas sagt mir, dass das Album recht erfolgreich sein kann. „Neumond“ hat sowas wie eine gewisse Volksnähe, die über das Schattendasein einer Szeneplatte hinaus gehen könnte.

Alf: Es sei Dir zu gönnen. Gibt es aktuell denn eigentlich auch andere Platten, die Dich begeistern?

Joachim Witt: Da bin ich eher titelbezogen. Beispielsweise „Where are we now“ von Bowie hat mich sehr geflasht. Dann finde ich Empire Of The Sun sehr gut. Eine australische Band, die durch Werbung eigentlich erst groß geworden ist. Sonst ist es für mich schwer zu sagen. Das Album von Gabi Delgardo finde ich sehr gelungen. „Lippenstift“ ist doch einfach ein Knaller. Ich muss da immer wieder lachen. Für mich ist Gabi ein Komiker im positiven Sinne. Das ist für mich Rammstein nur elektronisch nach bester Schule. Aber das ist Geschmacksache. Seine sexistischen Anspielungen und so finde ich einfach klasse.

Es ist mir völlig egal, was es ist. Ob kommerzieller Mainstream oder Szeneplatte. Wenn es mir gefällt, dann rede ich auch drüber.

Alf: Was hast Du für ein Gefühl, was passiert nach „Neumond“?

Joachim Witt: Nach „Neumond“ will ich den Anschluss nicht verpassen und will dann auch schnell in die nächste Produktion gehen. Wobei ich bis dato noch kein Konzept habe, was kommen könnte. Dafür ist „Neumond“ für mich zu aktuell, als das ich mich schon weiter damit beschäftigen kann. Ich möchte danach nur nicht lange Zeit verstreichen lassen.

Alf: Also muss der Altersruhesitz noch warten? Hast Du immer noch Blut geleckt?

Joachim Witt: Ja klar. Ich bin fit, fühle mich wohl und kann arbeiten wie ich will. Was will man mehr? Solange ich die Akzeptanz habe, werde ich auch weiter machen.

Alf: In diesem Sinne wünsche ich Dir viel Erfolg für das Album und die Tour.

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Depeche Mode – Ziggo Dome, Amsterdam/NL 07.12.2013

Schon wieder Depeche Mode? Warum nicht! Aber in den letzten zwei Wochen gleich drei Konzerte? Ja, warum nicht! Nach Hannover und Bremen ging es jetzt also mal wieder ins Ausland.

Der Ziggo Dome in Amsterdam/NL ist für mich eine der schönsten Indoor-Arenen, die ich bisher gesehen habe. Am vergangenen Samstag gastierten also Depeche Mode in der Stadt der Grachten und Holzclogs und zelebrierten vor 17.000 Zuschauern ihre „Delta Machine Tour“. Unterstützt von Electronic-Beats ergab sich die angenehme Möglichkeit, Depeche Mode for free zu erleben. Die Gewinner einer Facebook-Aktion wurden zum Warm-Up in die Beat-Bar geladen, die sich direkt im Arenagebäude befindet. Nach einem Begrüßungsgetränk, oder auch zwei, wurden die Gewinner abseits der Schlangen am Eingang in die Arena geschleust. Wenige Minuten bevor die übrigen Besucher Zugang bekamen. So konnte man sich die besten Plätze vor der Bühne quasi aussuchen.

Die Halle füllte sich sehr schnell und anders als in Deutschland waren fast alle Plätze bereits mit Beginn der Vorband „Big Deal“ besetzt. Die Londoner Band, die von ex-Depeche Mode-Label „Mute Records“ gesignt ist, wird von den Holländern freundlich begrüßt und auch teilweise großen Beifall belohnt.

Gegen 21.00Uhr ist es aber dann soweit. Depeche Mode entern die Bühne des Ziggo-Dome und Frontmann Dave Gahan startet seine Rockshow und präsentiert sich in Bestform trotz Erkältung. Es macht Spaß, diesem Mann auf der Bühne zu zuschauen. Er dreht sich wie ein Brummkreisel und schleudert den Mikroständer durch die Gegend, dass man schon Angst bekommt, er würde irgendwann mal Martin Gore zu Boden strecken. Aber was am meisten auffällt, es macht ihm Spaß! Eine Show kann man abliefern, Spaß muss man haben. Und Dave Gahan lacht, lächelt, flirtet und rockt sich durch die Nacht. Schon beim Opener „Welcome to my world“ wird das komplette Repertoire an Rockerposen abgerufen. Spätestens bei „Walking in my shoes“ hat er den Laden im Griff. Erst reagieren die Zuschauer auf den Rängen verhalten aber bei „Precious“ tanzt und klatscht die ganze Arena und Gahan freut sich. Mal stolziert er wie ein Pfau mit ausgebreiteten Flügeln, mal schüttelt er sich den Schweiß aus den nassen Haaren.

Und dann ist es auch schon soweit, dass die erste Hälfte des Abends mit „Policy of truth“ beendet wird. Gahan tritt ab und Martin Gore darf sich wieder einmal als kleiner naiver Solist auf der großen Bühne posieren. Alle freuen sich, dass es eine Änderung im allgemeinen Abendprogramm gibt, als Peter Gordeno „Slow“ anstimmt. Doch, oh weh, das geht meiner Meinung nach voll nach hinten los. Wer „Slow“ auf der „Delta Machine“ hört, muss zwangsläufig daran denken, wie Gahan eine holde Maid vernascht. Aber die Albumversion kann noch so schmutzig heiß und sexuell animiert klingen. Ein Gore hat keinen Sex in der Stimme. Ein Gahan packt sich am Sack und ein Gore fleht um Vergebung. That’s it! „Slow“ wird von Gore/Gordeno zu einem klagenden Gospel zerhackt. Totaschaden ohne Rettungschancen. Das kann nur dadurch gerettet werden, dass es als nächstes „But not tonight“ gibt.  Zumindest hier machen die beiden alles richtig. Die Halle feiert Gore wieder und alle freuen sich, bevor Dave Gahan wieder zurück darf um den zweiten Teil der Show zu beginnen.

Und Gahan macht da weiter, wo er eine viertel Stunde zuvor unterbrochen wurde. Er feiert sich, die Band und das Publikum. Natürlich sind seine Gesten mittlerweile nicht mehr neu, aber alle freuen sich, wenn der Kochtopfdeckel bei „Behind the wheel“ klappert.

Alles gut in der Show? Jein! Was massiv auffällt ist die Distanz auf der Bühne. Dave Gahan ist gut Freund auf der Bühne Martin Gore, Peter Gordeno und natürlich mit Christian Eigner, der auf dieser Tour einen bombastischen Job abliefert. Aber da war doch noch einer? Weit rechts außen steht Andy Fletcher ganz alleine und drückt seine Tasten oder auch nicht. Während Dave Gahan ihn bei der Sommertour immer vorgestellt hat, würdigt er ihm jetzt keines Blickes. Fletcher scheint mal wieder in der Welt von Dave Gahan nicht statt zu finden. Und nicht nur da. Selbst ein Martin Gore scheint sich von Fletcher zu distanzieren. Kein Blick, kein Lächeln und auch kein abklatschen am Ende der Show. Ich frage mich, was ist da los? Normal ist anders in einer Band.

In der Setlist machen Depeche Mode auf Nummer sicher. Hit an Hit gereiht, scheint zwar der Tourname unverständlich zu sein. Aber das stört auch an diesem Abend keine Seele. Und wenn Gahan sich erst mal nackig gemacht hat, sind alle Glücklich. Alles läuft perfekt, bis aufs i-Tüpfelchen durchgeplant. Thats Rock n‘ Roll. Auch wenn man schmunzeln muss, wenn Gore und Gahan bei einer der fettesten Aufführungen von „I feel you“ überhaupt sich vor Eigners Drumkit zum allgemeinen Headbangen versammeln.

Und dann ist plötzlich nach „Never let me down again“ alles vorbei. Einer der besten Depeche Mode-Konzerte, die ich bisher sah und meine persönliche „Delta Machine“-Tour auch und verschwindet in die Nacht mit der Frage, ob es das letzte Mal gewesen sein soll, dass man diese Band so auf der Bühne gesehen hat. Von dem Spaß, den die Band versprüht, kann man nicht davon ausgehen, dass es irgendwann vorbei sein könnte. Wenn man aber das Alter der Herren und evtl. Situationen innerhalb der Band betrachtet, ist es mehr als wahrscheinlich. Wünschen würde ich es mir nicht. Wenn es aber so sein sollte, dass sie abtreten, dann wäre es nach dieser Nacht in Amsterdam mehr als verdient und gerecht.

Setlist:

  1. Intro/Welcome to my world
  2. Angel
  3. Walking in my shoes
  4. Precious
  5. Black celebration
  6. Should be higher
  7. Policy of truth
  8. Slow – Martin Gore
  9. But not tonight – Martin Gore
  10. Heaven
  11. Behind the wheel
  12. A pain that i’m used to
  13. A question of time
  14. Enjoy the silence
  15. Personal jesus
  16. 16.   Shake the disease – Martin Gore 
  17. 17.   Halo
  18. 18.   Just can’t get enough
  19. 19.   I feel you
  20. 20.   Never let me down again

 

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VNV Nation – Hamburg, Gr.Freiheit 36 19.10.2013

Sagen wir es mal so: Es war ein Fest! VNV Nation luden anlässlich ihrer „Transnational“-Tour in die Hamburger „Große Freiheit 36“ und alle sind sie gekommen. Rappeldickevoll war es und laut und warm und schön.

Ronan Harris und Mark Jackson kamen gefolgt von zwei zusätzlichen Musikern pünktlich wie die Maurer um 19.30Uhr bereits auf die Bühne, nachdem das Hamburger Publikum vorher mit hartem Dancebeat aufgewärmt wurde.

Und kaum hat man Harris das Mikro aufgedreht, legte der sich ins Zeug, dass einem Hören und sehen verging. Wer den untersetzten Mann sieht, erwartet nicht, dass er pausenlos die Bühne der „Freiheit“ von links nach rechts und zurück so abmisst, dass er eigentlich auch Marathonläufer hätte werden können. Und er war gut drauf. Verdammt gut sogar. Sein selbstbetiteltes Heimspiel (Harris wohnt seit zwölf Jahren in Hamburg) war nahezu perfekt. Ein Hit nach dem anderen wurde gespielt und ab und zu durften Stücke aus dem aktuellen Album nicht fehlen. Zwischendurch kommunizierte Harris viel mit seinem Publikum. Es war eine große Familie, die da feiert. Und Harris suchte sich seine Leute im Publikum und behielt sie immer im Auge und in seinem Herzen. Egal ob schottischer Fan im Kilt oder ein Rollstuhlfahrer in der vordersten Reihe, auf den Harris immer ein ganz besonderes Auge hatte. Harris feierte sich, feierte Hamburg und er feierte VNV Nation.

Meist ist es schwierig, in einem Konzert von VNV Nation einzelne Tracks auszusuchen, die man als Höhepunkt der Show betiteln könnte. Für mich war es wieder mal „Illusion“ oder das wirklich überzeugende „Further“ in einer Pianoversion. Gänsehauttreibend!

Aber auch bei VNV Nation-Shows gilt: das Beste kommt zum Schluss. Die beiden Zugaben „Nova“ und natürlich „Perpetual“. Selten habe ich das Hamburger Publikum so erlebt. Die gesamte „Freiheit“ ging mit und sang lauthals nahezu fehlerfrei, so dass sich Harris nur noch hinstellen musste und zuhören konnte. In dieser Partystimmung wundert es mich nicht, dass „Perpetual“ zu einem fast zwanzigminütigen Showfinale mutierte. Alle sangen, alle tanzten, alle waren glücklich.

Setlist:

  1. Retaliate
  2. Sentinel
  3. Chrome
  4. Primary
  5. Illusion
  6. Everything
  7. Space and time
  8. Tomorrow never comes
  9. Standing
  10. Off screen
  11. Farthest star
  12. Resolution
  13. Further (Encore)
  14. Epicentre (Encore)
  15. Control (Encore)
  16. Nova (Encore)
  17. Beloved (Encore)
  18. Perpetual (Encore)
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Plug in Baby – Muse, Waldbühne Berlin, 14.07.2013

Muse, Waldbühne Berlin 14.07.2013

Also sagen wir es mal so, eigentlich war für mich persönlich die Messe bereits gelesen, was das „Konzert des Jahres 2013“ angeht. Aber mal wieder hab ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

MUSE luden zur Rock-Oper in die Berliner Waldbühne und haben eigentlich für mich die Messlatte bei ihrem Hamburger Gastspiel im Dezember 2012 unschlagbar hoch angelegt. So war meine Erwartungshaltung eher verhalten, was die Show angeht. Hat man doch im Vorwege gelesen, dass MUSE auf die LED-Pyramide verzichten werden, die sie zur Hallentour haben von der Decken tropfen lassen. Aber alles der Reihe nach…

Der Wettergott hatte nicht gerade das beste Open-Air-Wetter versprochen für diesen Sonntag im Juli. Temperaturen um die zwanzig Grad klangen ganz vielversprechend. Aber regentechnisch klangen die Vorhersagen alles andere als positiv. Also Regenponcho einpacken und ab auf die Bahn in Richtung Bundeshauptstadt. Und Berlin empfing uns mit dem gleichen Grau, mit dem wir die Hansestadt verlassen haben. Leichter Sprühregen lag in der Luft und das Thermometer ging eher unter 20°C.

Das wunderschöne Areal der Waldbühne empfing uns dann glücklicherweise trocken und bereits um kurz nach 16.00Uhr war das rund relativ gut gefüllt. Bewusst haben wir auf Sitzplätze gesetzt, wobei man so ziemlich an jeder Stelle in der Waldbühne eine gute Sicht auf die Bühne hat.

Gegen 18.30Uhr eröffnete dann die schottische Band Biffy Clyro den Abend mit einer geilen Mischung aus Funk, Rock und Punk schafften sie es sehr schnell, das Berliner Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Man merkte schnell, dass der Abend nur gut werden kann, denn Berlin war in Feierlaune. Und Biffy Clyro boten einen guten Einstieg für den Abend. Ganze 14 Tracks umfasste ihre Setlist. Aber gegen 19.50Uhr hieß es dann Abgang für den Hauptact des Abends.

Gegen 20.30Uhr enterten MUSE dann die Bühne und starten im wahrsten Sinne ein Rock-Feuerwerk. Flammen schlugen aus dem Catwalk und aus der Bühne und zu dem verkürzten Intro „The 2nd Law Unsustainable“ kamen dann Matthew Bellamy, Dominic Howard und Christopher Wolstenholme auf die Bühne um gleich mit „Supremacy“ in den Abend ein zu steigen. Und prompt ging es Schlag auf Schlag. „Panic Station“, „Supermassive Black Hole“…

MUSE waren einfach gut drauf. Von Anfang an kamen Bellamy und Wolstenholme immer wieder auf den Catwalk um ein Bad in der Menge zu nehmen. Es machte ihnen sichtlich Spaß und Berlin dankte es ihnen, indem MUSE einfach abgefeiert wurden.

Während MUSE auf ihrer Hallentour auf Lichteffekte und Laser zurück greifen können, muss Open-Air etwas anderes her. Sei es ein Broker, der über die Bühne stolziert und Geld in die Menge wirft, bevor es ihn in der Mitte der Waldbühne zu Boden wirft oder eine Sekretärin, die wild telefonierend am Schreibtisch sitzt, bevor sie sich auf dem Catwalk an einer Zapfsäule ertränkt. Highlight war aber mit Sicherheit der Roboter, der zum zweiten Teil von „The 2nd Law Unsustainable“ hinter den Zuschauern auf dem Oberrang auf und ab fuhr.

MUSE boten eine Show, wo es keine Zeit zum Luft holen geben sollte. Und so verzichten sie auch weitestgehend  auf ruhige Stück in der Setlist. So haben sie es geschafft, ganze 24 Tracks in die Setlist einzubauen, bevor die Fans in die bereits verdunkelte Berliner Nacht entlassen werden. Die nahezu ausverkaufte Waldbühne war genau die richtige Bühne für diese Show. Hier waren MUSE zu Hause. Und hier sollten sie baldigst wieder spielen.

 

Setlist:

Intro: The 2nd Law: Unsustainable (First verse dialogue only)

  1. Supremacy 
  2. Panic Station 
  3. Supermassive Black Hole 
  4. Bliss 
  5. Resistance 
  6. Interlude 
  7. Hysteria 
  8. Animals (with banker throwing money into the audience)
  9. Knights of Cydonia (Ennio Morricone’s Man with a Harmonica intro)
  10. Monty Jam 
  11. Feeling Good (Leslie Bricusse & Anthony Newley cover)
  12. Follow Me
  13. Liquid State 
  14. Madness 
  15. Time Is Running Out (House of the Rising Sun intro)
  16. Stockholm Syndrome (Rage Against the Machine’s Freedom outro)
  17. Unintended 
  18. Guiding Light 
  19. Undisclosed Desires
  20. The 2nd Law: Unsustainable (with Charles the robot in the crowd)
  21. Plug In Baby (Guns ‚N Roses‘ Sweet Child o‘ Mine outro)
  22. Survival 
  23. The 2nd Law: Isolated System 
  24. Uprising
  25. Starlight 
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Depeche Mode – Hamburg 17.06.2013

War das eine Nacht? Es war eine Nacht!

Depeche Mode kommen nach Hamburg und 45.000 Jünger kommen zur Audienz in die Hamburger Imtech-Arena. Die Könige des Düster-Pop haben Kaiserwetter bestellt und bekommen wonach ihnen gelüstet. Der Wettergott hat an diesem Montag mit den Hamburgern ein Nachsehen und schiebt die Wolken beiseite und lässt unzählige Devotees aus ganz Europa in der norddeutschen Sonne schmoren.

Bereits am Vorabend zu diesem Super-Event haben sich die ersten durch geknallten Fans vorm Stadion eingefunden, um die besten Plätze bei Einlass zu ergattern. Und was hat es gebracht? Nichts! Wir haben uns um die Mittagszeit am Eingang „Süd-West“ eingefunden und haben schnell viele bekannte Gesichter getroffen und neue Bekanntschaften geschlossen. Man unterhält sich, teilt Wasser und den Platz unterm Sonnenschirm. Alles easy, solange die deutsche Gründlichkeit nicht durch greift. Irgendwann tauchen Ordner auf, welche die begehrten rosa Bändchen für den FOS (Front of Stage) verteilen sollen. Nach welchen Kriterien diesen zu geschehen hat und welche Farbe eine Rolle spielt, weiß keiner. Aber alle geben ihren Senf dazu ab. Dann wird plötzlich das erste Gate geöffnet und man darf seinen Schattenplatz gegen einen Platz in der Sonne eintauschen. Geht es nun schon ins Stadion? Nein, außer dem Ausspruch eines Ordners, dass man nun die nächsten drei Stunden in der Sonne verbringen darf gibt es weiterhin nichts zu berichten. Warten, schwitzen, reden, leiden. Eigentlich genau das, was Depeche Mode-Fans doch wollen. Nur nicht vorm Konzert. So mancher Lidstrich und so manches Make-Up löst sich bei Temperaturen um die 30°Grad in Wohlgefallen auf. An dieser Stelle meinen Respekt für den Typen, der die ganze Zeit im Look von Martin Gore anno 2005 mit fetter Strickmütze. Dem Jungen muss das Hirn gekocht haben. Aber er hat standhaft die Mütze wie ein Orden in der Sonne getragen.

Gegen 17.00Uhr sollte es dann losgehen. Eine spärliche Armee von zehn Ordnern positioniert sich am Eingang und es kommt zu Tumulten wie in Ost-Berlin im November 1989. Alle wollen rein und irgendeiner verliert die Nerven. Mit mal ist ein Eingang auf und man wird quasi durch die Schleuse gespült. Keine Kartenkontrolle keine Taschenvisite. Ein Oberordner schreit sich die Seele aus dem Leib, weil eigentlich noch kein Einlass war und unmittelbar hinter uns ist Schluss und die Tore wieder verschlossen. Kaum im Stadion angekommen heißt es nur noch „Lauf Forrest, lauf!“. Ich glaube, ich bin in den letzten 25 Jahren nicht so gerannt wie in diesen Minuten. Einmal den Innenraum durchqueren und schon hat man den persönlichen hauptpreis des Tages erzielt. Ein Platz am Catwalk. Und, wie es der Zufall will, trifft man sogar die neuen Freunde vom Eingang wieder. Der Abend kann kaum besser werden. Nach dem vergeblichen Versuch, wieder zu Luft zu kommen, heißt es dann wieder warten, warten. Die Zeit kann man sich mit Erfahrungsaustausch über andere DM-Konzerte vertreiben und so langsam füllt sich der FOS und auch das restlich Stadion beginnt sich zu füllen.

Gegen 19.45Uhr eröffnet dann Douglas McCarthy (Nitzer Ebb) den Abend. Mit seiner etwas eintönigen Show und einer Mischung aus House und EBM trifft er nicht unbedingt den Geschmack von allen im Stadion. Aber anyway, man hat ja noch größeres vor an diesem Abend.

Gegen 20.45Uhr sind sie dann da. Dave Gahan, Martin Gore, Andy Fletcher zusammen mit Christian Eigner (Drums) und Peter Gordeno (Keyboard) entert die Bühne und innerhalb von Sekunden wandelt sich die Imtech-Arena zu einem Hexenkessel. Und der Hexenmeister heißt Dave Gahan. Der einundfünfzig jährige wackelt mit dem Arsch, reckt die Arme in den Himmel und schleudert seinen Mikrofonständer durch die Gegend, dass man nur hoffen kann, dass er damit keinen verletzt. Während die Menge zu „Welcome to my world“ ein geschunkelt wird, wandelt sich das ganze schon bei „Angel“ zu einer Electro-Blues-Rock-Orgie, die einige „normale“ Besucher verschrecken könnte. Gahan schaut wie ein irrer ins Publikum um die unterkühlte Geste mit einem sexy Lächeln und dem gekonnten Griff an seine Männlichkeit weg zu wischen. Was für eine Show. Und Martin Gore? Der hat ein paar neue Gitarren mitgebracht und wechselt fast bei jedem Stück, wo er nicht Old-Schoolmässig in die Tasten drückt, das Instrument.

Das Depeche Mode nicht zum alten Eisen gehören, merkt man daran am besten, dass man schon fast erschrocken ist, als Dave Gahan die Bühne verlässt, um Gore für seinen Soloauftritt Platz zu machen. Und die neue Gore-Show ist wohl die geilste, die er jemals geboten hat. Das wunderbare „Higher Love“ macht den Abend zu was besonderem. Kann das aber noch getoppt werden? Es kann! Ausser vielleicht die Fans im Stadion wird sich keiner jemals die B-Seite der „Stripped“-Single (1986) gehört haben. Jetzt kennen aber alle „But not tonight“. Und Martin Gore kann Regen machen. Kaum singt er die ersten Worte „Oh God, it’s raining…“ öffnet der Wettergott seine Pforten und lässt ein paar Tropfen auf die Hamburger nieder gehen. Billiger kann ein Effekt kaum sein. Selbst Martin Gore muss über diese kleine Episode lachen, ergoss sich doch gerade bei diesem Song eine Woche vorher im Berliner Olympiastadion eine Wassermasse auf die Fans.

Danach gehört Dave Gahan wieder der Abend. Depeche Mode werden jetzt laut und dreckig. Und jeder kommt auf seine Kosten. „Enjoy the silence“, “A Question of Time“, „Personal Jesus“, und alle machen mit. Die „Delta Machine-Tour“ hat meiner Meinung nach die beste Setlist der letzten zwanzig Jahre.

Schnell, ja fast zu schnell heißt es dann schon Zeit für „Goodbye“, dem letzten Track der normalen Setlist. Der Bluestrack, auf den ich mich so gefreut habe, verblasst etwas hinter dem Bombastprogramm und Gahan zeigt das einzige Mal Schwächen, was seine Stimme angeht. Aber der Abend ist ja noch nicht zu Ende. Nach einer kurzen Pause kommt Martin Gore für das obligatorische „Home“ auf die Bühne, bevor Dave Gahan das Finale einläutet. Das wunderschöne „Halo“ hat sich wieder in meine Gehörgänge gebrannt. Und dann heißt es Gas geben. „Just can’t get enough“mit einem Bass-Solo von Andy Fletcher. Er kann wirklich, wenn auch nicht so gut, Keyboard spielen. 😉

Dann ist es schon so weit und Dave Gahan hat den Auftritt des Abends. Es läuft einem Eiskalt dem Rücken runter, wenn man aus dem FOS heraus 90.000 Arme in der Luft sieht. „Never let me down again“ ist und bleibt das Dave Gahan-Animationsprogramm. Er läuft auf dem Catwalk, fixt das Publikum an und niemand kann sich erwehren, ihm nicht zu folgen.

Depeche Mode in Hamburg. Es war ein Fest für jeden, der dabei war. Und alle fragen sich, wo Dave Gahan seine Kondition her bekommt. Er tanzt, springt und dreht sich, dass selbst dem Duracell-Hasen schwindelig werden muss. Depeche Mode 2013 und sie sind immer noch da und sie sind lang noch nicht fertig.

Setlist:

  1. Welcome to my world
  2. Angel
  3. Walking in my shoes
  4. Precious
  5. Black celebration
  6. Policy of truth
  7. Should be higher
  8. Barrel of a gun
  9. Higher Love (Martin Gore)
  10. But not tonight
  11. Heaven
  12. Soothe my soul
  13. A pain that i’m used to
  14. A question of time
  15. Secret to the end
  16. Enjoy the silence
  17. Personal jesus
  18. Goodbye
  19. Home
  20. Halo
  21. Just can’t get enough
  22. I feel you
  23. Never let me down again
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OMD live im DOCK’s Hamburg, 21.Mai 2013

Ein Konzert von OMD scheint sich definitiv als sichere Bank zu erweisen. So auch am vergangenen Dienstag als Andy McCluskey, Paul Humphreys zusammen mit Malcom Holmes und Martin Cooper ins Hamburger DOCK’s geladen haben. Im Gepäck haben sie ein neues Album (English Electric) und einen ganzen Sack voll guter alter Hits, zu denen jeder wenigstens mal in der Teeniedisco getanzt hat.

Die Vorgruppe Vile Electrodes überraschte durch gut klingende Electrosounds, die auch die älteren unter den Besuchern gut gefallen haben. Zumindest war die Resonanz auf die Band recht positiv ausgefallen. Da könnte was heran wachsen, was man auf dem Schirm behalten sollte.

OMD eröffneten gegen 21.00Uhr den Abend erwartungsgemäß mit dem Albumopener „Please Remain Seated“ gefolgt von dem genialen „Metroland“. Der Abend kann dann ja geschmeidig werden. McCluskey hat wie immer vergessen, seine Pillen zu nehmen und ackert sich einen an der Bühnenfront ab, dass es einem Angst und Bange werden kann. Schließlich ist er mit seinen fast 54 Jahren auch nicht mehr der Jüngste, macht aber in Sachen Kondition so einigen jüngeren Kollegen seiner Zunft noch was vor. Natürlich darf sich der gute auch mal eine Auszeit gönnen. Schließlich möchte Paul Humphreys ja auch mal im Rampenlicht stehen und seine Lieder vortragen. Der gute Paul wirkt immer ganz verschüchtert und man könnte fast denken, es ist ihm peinlich da vorne zu stehen.  Dabei hat auch er maßgeblichen Anteil an der OMD-Show und seine Stimme hat auch so einige Hitsingles von OMD besungen.

Gute eineinhalb Stunden später werden glückliche Hamburger hinaus in die Nacht gespült und ein jeder summt im Stillen noch ein „It’s a long long way from where you want to be“ oder pfeifft die Melodie von „Maid of Orleans“ vor sich hin. Schade, dass das Konzert nicht ausverkauft war. Zu viele hatten wohl noch das völlig überfüllte DOCK’s-Konzert im Gedächtnis und hoffen eher wieder auf einen zweiten Termin im Stadtpark.

 Setlist:

  1. Please Remain Seated
  2. Metroland
  3. Messages
  4. Tesla Girls
  5. Dresden
  6. History of Modern (Part 1)
  7. (Forever) Live and Die
  8. If You Leave
  9. Night Café
  10. Souvenir
  11. Joan of Arc
  12. Maid of Orleans
  13. Our System
  14. Talking Loud and Clear
  15. Atomic Ranch
  16. Kissing the Machine
  17. So In Love
  18. Sister Marie Says
  19. Locomotion
  20. Sailing on the Seven Seas
  21. Enola Gay
  22. Walking on the Milky Way
  23. Electricity

 

 

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Mesh – Markthalle Hamburg, 05.April 2013

Ein Abend mit Mesh scheint immer eine sichere Bank für gute Unterhaltung zu sein. In all den Jahren bin ich jedenfalls noch nie enttäuscht worden, wenn ich mich aufmache, die beiden Jungs aus Bristol live zu sehen. Und wenn sie schon ein Chart-Album im Gepäck haben, kann es doch nur ein guter Abend werden. So soll es dann auch am vergangenen Freitag in der Hamburger Markthalle sein. Das Haus ist fast ausverkauft und das Hamburger Publikum scheint in Partylaune zu sein.

Doch bevor Mesh die Bühne betreten, wird der Abend von gleich zwei Bands eröffnet. Elace und Torul, wobei mir erstgenannte entgangen sind. Dafür wurde ich aber durch den Auftritt von Torul mehr als entschädigt. Man kann sagen, die Jungs aus Slowenien haben das Haus gerockt und mich persönlich sehr unterhalten. Zwar haben mir einige Tracks ein wenig an Werke von NamNamBulu oder Frozen Plasma erinnert, was ich aber mal damit begründe, dass auch in dem Genre des Electropop die Bandbreite immer enger wird und es immer weniger Platz für Innovationen gibt. Aber, die Jungs haben an diesem Abend ihr neues Album „Tonight We Dream Fiercely“ an Bord, welches einiges zu bieten hat. U.a. interpretieren Torul eine sehr packende Version von Tears For Fears‘ „Mad World“. Nach gut einer Dreiviertelstunde verlassen Torul dann die Hamburger Bühne und können sicher sein, ein solides Set abgeliefert zu haben. Zumindest sehen das mit mir zusammen zahlreiche weitere Besucher an dem Abend so. Die Jungs dürfen gerne wieder kommen.

Gegen 22.15 Uhr ist dann Showtime für Mesh. Nach einem fetten Intro, welches nahtlos in den ersten Track „Adjust your set“ übergeht, ist der Abend dann offiziell eröffnet. Mark Hockings wirkt für mich immer etwas verloren auf der Bühne. Der Junge  scheint immer so ein bisschen verschüchtert zu sein. Zumindest am Anfang des Gigs. Sobald er aber anfängt zu singen, hat er im Handumdrehen das Publikum in seinen Bann gezogen. Er braucht keine Tanzeinlagen, keine großen Gesten, sondern überzeugt durch Zurückhaltung. Schon merkwürdig, dass die komplette Hamburger Markthalle zu diesem Mann abfeiert, dem es eher peinlich ist, wenn das Publikum ihm Sympathien entgegen bringt. Im Laufe des Abends taut aber auch er immer weiter auf. Wobei er trotzdem auf große Kommunikation mit dem Publikum verzichtet.

Was mich bei Mesh immer wieder live fasziniert, ist die Wandlung vom Synthiepop ihrer Studioalben zur Bandperformance mit Drums, Gitarre und Keyboards. Während Hockings nur bei einigen wenigen Tracks zur Gitarre greift, scheint Richard Silverthorn immer mehr Spaß an der Gitarre zu haben. Auf jeden Fall schnallt er sich das Ding weitaus öfter um, als noch in den letzten Jahren.

Die Setlist bildet einen Querschnitt aus mittlerweile 22 Jahren Mesh. Es scheint schon fast erstaunlich, dass Mesh schon so lange zusammen sind. Bei keinem Track kommt Nostalgie auf. Ganz im Gegenteil. Ältere Tracks wie „It scares me“ oder „Fragile“ passen wunderbar mit den Stücken vom neuen Album „Automation Baby“ zusammen. Das hat so viel Spaß gemacht, dass ich schon fast verwundert war, dass nach 21 Tracks wohl alles vorbei zu sein schien. Aber es gab noch was. Ich war erst irritiert, als ich Marks Stimme bei Finaltrack „You couldn’t  see this coming“ hörte, ihn aber nicht sah. Kein Wunder, wenn der Gute hinter mir am Mischer stand und mitten im Publikum die letzte Zugabe zum Besten gab. Kleine Geste, großes Kino.

Alles in allem ein gelungener Abend? Nein, leider nicht. Auch wenn Mesh noch so eine tolle Show darbieten, das Ohr hört immer mit. Und das Ohr war es dann auch, was wirklich leiden musste. Selten habe ich ein Konzert in der Markthalle gesehen, dass so schlecht abgemischt war. Die Livedrums klangen so blechern, als wenn man auf schlechten Konserven rum drischt. Stellenweise verschwand Richards Gitarre im Soundbrei und die Basslines brummten und wirkten zu laut im Gegensatz zur restlichen Musik. Da scheint der Tonmann aber einen ganz schlechten Tag gehabt zu haben.

Mesh live ist immer wieder ein Erlebnis, was nicht langweilig zu werden scheint. Mit wenig Aufwand viel erreichen. So soll es sein. Und beim nächsten Mal ist der Tonmann dann mit Sicherheit auch wieder  besser drauf.

Setlist:

  1. Intro / Adjust your set
  2. Just Leave Us Alone
  3. You Didn’t Want Me
  4. This Is the Time
  5. Crash
  6. Never Meet Your Heroes
  7. What’s owed to you?
  8. How Long
  9. Can You Mend Hearts?
  10. Automation Baby
  11. Room With a View
  12. Everything I Made
  13. Step by Step
  14. It Scares Me
  15. Fragile
  16. When the City Breathes
  17. Leave You Nothing
  18. Born To Lie
  19. Taken For Granted
  20. From This Height (Encore)
  21. Friends Like These (Encore)
  22. You Couldn’t See This Coming (Encore)

 

 

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