Joachim Witt, Markthalle Hamburg 06.05.2014

Das geht jetzt ja mal fix. Kaum ist das neue Album „Neumond“ von Joachim Witt auf dem Markt, hält der Gevatter des Dark-Pop auch schon Hof und liefert sein Heimspiel in der Markthalle in Hamburg ab. Und der Abend konnte kaum besser sein.

Eröffnet wurde der Abend allerdings von der Münsteraner Formation LEICHTMATROSE. Gegen 20.30Uhr betraten Andreas Stitz und seine Musiker die Bühne der noch spärlich gefüllten Markthalle und präsentierten ihren Electro-Chanson gekoppelt mit eindeutig zweideutigen Texten. Ich kannte zwar das erste Album „Gestrandet“ (2009), hatte es aber nicht so positiv in Erinnerung, wie es mir jetzt präsentiert wurde. Und LEICHTMATROSE schafften es, das Publikum an die Bühne und in den Saal zu locken. Stücke wie „Gestrandet“, „Sexi ist tot“ oder auch die Tracks von der neuen E.P. „Johnny fand bei den Sternen sein Glück“ haben mich sehr positiv überrascht. Einziger Wermutstropfen, dass LEICHTMATROSE den äußerst genialen Track „Hier drüben im Graben“ alleine performt haben und nicht wie auf Platte mit Joachim Witt zusammen performen.

Gegen 21.30Uhr wurde es dunkel im Saal und die Bässe wummern aus den Boxen. Zeit wird es für den Gevatter Witt. „Wir werden wieder aufstehen“ – so singt er. Anfangs kommt es mir zwar so vor, als wenn an diesem Abend Joachim Witt es etwas schwer fällt. Aber schnell legt sich die anfängliche Starrheit und der Abend kann nur noch gut werden. Joachim Witt wird von einer guten Band unterstützt und die Stücke von „Neumond“ entwickeln Livequalitäten, die ich anfänglich nicht erwartet habe.

Der erste Teil des Abends besteht ausschließlich aus Stücken von der „Neumond“. Und ebenso wie auf dem Album entwickeln sich Stücke wie „Die Erde brennt“ oder „Ohne Dich“ zu wahren Partykrachern. Und Witt dazwischen, dem man seine Spiellaune ansehen kann. Er nimmt sich Zeit, zwischen den Stücken mit dem Publikum auf seine Art zu kommunizieren. „Schläfst Du???“ fragt er jemanden, der in der ersten Reihe wohl nicht so mit geht und es folgt sogleich eine Dusche aus der Wasserflasche. Er schaut, beobachtet und erkennt. Und er taut immer mehr auf, so dass er zu der alten Höchstform aufläuft, wie ich ihn bereits vor vielen Jahren kennen gelernt habe. Auf dem schmalen Grat zwischen Wahnsinn und Genie. Wenn man bedenkt, was für ein positiver, ausgeglichener Zeitgenosse er ist, muss man schon schmunzeln.

Mit einer sehr verlängerten harten Version von „Dein Lied“ beendet Witt das „Neumond“-Set, um mit „Gloria“ in den zweiten Teil der Show zu wechseln. Und da kann Witt sich aus einem Topf großer Hits bedienen. „Das geht tief“, „Bataillon D‘amour“ oder auch „Eisenherz“ lassen mein Herz schon höher schlagen. Natürlich darf „Die Flut“ nicht fehlen. Leider ohne Peter Heppner, wie auch Witt recht humorvoll auf seine Art bedauert.

Und dann war der Abend auch schon fast vorbei. Aber vorher begrüßte Joachim noch einen alten Weggefährten auf der Bühne. Harry Guttowski, der zusammen mit Joachim Witt die Band Duesenberg (1976-1980) gründete. Und der brachte gleich noch den Bass mit, mit dem einige Stücke der „Silberblick“ eingespielt wurden, um das Finale mit dem „Goldenen Reiter“ und natürlich dem „Herbergsvater“ zu zelebrieren. Und Hamburg feierte mit. Die Stimmung in der Markthalle war fantastisch, und alle waren glücklich, als Joachim nach zwei Stunden alle in die Nacht entließ.

Er kann es immer noch, und es macht ihm immer noch Spaß, und so soll es auch bleiben, solange der Gevatter auf unsere Triebe achtet.

Setlist:

  1. Intro – Neumond
  2. Aufstehen
  3. Die Erde brennt
  4. Mein Herz
  5. Es regnet in mir
  6. Bis ans Ende der Zeit
  7. Ohne Dich
  8. Spät
  9. Dein Lied
  10. Gloria
  11. Königreich
  12. Das geht tief
  13. Bataillon D’amour (Silly-Cover)
  14. Die Flut
  15. Supergestört und Superversaut
  16. Eisenherz
  17. Der goldene Reiter
  18. Herbergsvater
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Eine Antwort auf Joachim Witt, Markthalle Hamburg 06.05.2014

  1. Ralf Bono Lemke sagt:

    Schade das ich nicht dabei sein konnte aber die Chance seine Show zu sehen , wird bestimmt noch geschehen…

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